Selbstgespräch
Mein Leben ist eine Reise
unabhängig von Ort und Zeit.Ich reise ins Verstehen
meiner selbst und des Lebens
und dadurch zur Toleranz.Man muss hart sein dem Bösen
gegenüber und geschmeidig
und zart, wenn die
verlorenen Düfte
des Weges kommen.Also Baum sein und der Wind,
der ihn bewegt.
Selbstgespräch – ein Gedicht der Malerin und Schriftstellerin Anna Marianne Sidenstein-Berwig. Sie weiß sehr genau, wie verschlungen die Wege des Lebens sein können, wenn der Mensch ein Ziel vor Augen hat.
Der Lebensweg und die Leidenschaft von Anna Marianne ist es, Kunst zu präsentieren, mit der sie Menschen begeistern und zusammenführen kann. Dafür öffnete sie ihre Galerie „Jottwedee“ in Ellinghausen/Düshorn. Den Traum einer Galerie verwirklichte sie schon 1977 südlich von Mainz. In einem alten Winzergehöft aus dem 17. Jahrhundert entstand „Jottwedee – ganz weit draußen“ als ein Forum der schönen Künste und der Kultur. Ausstellungen, Autorenlesungen und Konzerte führen 25 Jahre lang unzählige Besucher in die große Galerie-Scheune des ausgedehnten Bauernhofes in Gau-Bischofsheim.
Neben Rheinland-Pfälzischen Autoren lasen unter anderem Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner, Rudolf Hagelstange, Ulla Hahn, Ludwig Harig, Walter Kempowski, Karl Krolow, Horst Krüger, Hermann Schreiber, Martin Walser, Wolfgang Weyrauch, Gabriele Wohmann.
Angrenzende Ballungszentren und Industriegebiete nahmen Anna Marianne Sidenstein-Berwig die Luft zum Atmen. „Dieses Stillstehen inmitten des Lärms, der Katastrophen, der Attentate und Kriege“, sagt die Künstlerin und will nicht zurückschrecken, sondern ihre Gedanken, Gefühle in Malerei und in Texten ausdrücken. Ausstellungen ihrer Bilder führten die Künstlerin nach Finnland, Österreich, Moskau und in unzählige Städte hier in Deutschland.
2002 erhielt sie eine Nominierung für „WORLD FESTIVAL OF ART ON PAPER“ in Ljubljana.
Immer wieder zog es sie in den Norden Deutschlands, denn ihre Seelenverwandtschaft gilt dem Land der Mitternachtssonne, Schweden, was in ihren Bildern zu erkennen ist. Von rheinischer Frohnatur ist nichts zu spüren, eher ist die Stimmungslage von nordischer Schwermut und melancholischer Gedankentiefe geprägt. In der Lüneburger Heide, die sie lieben gelernt hatte, schrieb sie das Buch „Das achthunderterste Schaf“. Während einer Rundfunksendung zu diesem Gedichtband äußerte sich der Moderator, Werner Hanfgarn, so: „Wenn ein Bändchen mit Lyrik und Graphik so verinnerlicht daherkommt, spürt man nichts von Dichteranspruch im Trompetenton, da dominiert vielmehr eine Bescheidung verheißende Weidenholzflöte, nicht immer lieblich, wenn auch verspielt“, und trifft damit in der Beschreibung genau den künstlerischen Ausdrucksstil von Anna Marianne Sidenstein-Berwig, der auch so in ihren Bildern, in denen Themen wie Vogelflug, Schweigen, Vergänglichkeit und Meditation, über die Zeit präsent ist. Anna Marianne beobachtet mit wachen Sinnen. Die Künstlerin ist berührt von Dingen, Natur und Menschen, bringt ihre Gefühle mit der Energie des Moments treffsicher zu Papier und auf die Leinwand.
Während eines Stipendiums in Bremerhaven entstand das Buch „MORGEN TANZE ICH WEITER“, „MÄRCHEN AUS DEM HOHEN NORDEN“, und andere Bücher folgten. Hier in der Heide in Ellinghausen/Düshorn wurde eine Veränderung im Leben von Anna Marianne möglich. Ihre Galerie „Jottwedee“ wurde 2002 wiedereröffnet, denn die Künstlerin weiß genau, dass die Kunst erst durch Menschen lebendig wird, sich entwickelt und verändert. auch in Ellinghausen wurde die Galerie ein Zentrum kulturellen Lebens. Der Raum in einzigartiger Atmosphäre lud dazu ein, die Idee aus Gau-Bischofsheim aufleben zu lassen. Mit den Menschen hier, ihren Ideen, ihrer Inspiration, ihrer Kreativität entwickelte sich etwas anderes, Neues.
Anna Marianne Sidenstein-Berwig lässt ihre Erfahrungen nicht hinter sich oder verdrängt sie, sondern verarbeitet sie in ihrem Schaffen und lässt andere Menschen teilhaben. Zahlreiche Besucher lauschten in ihrer Galerie den Lesungen zu den großen Dichtern wie MASCHA KALEKO, RUDOLF HAGELSTANGE, HANS FALLADA und KURZ TUCHOLSKY bei eindrucksvollen Rezitationen von Horst von Hassel.
Zu den bisherigen Höhepunkten zählten die musikalischen Lesungen zu Rilke und Hölderlin mit Oliver Steller. Ein großes, mittlerweile gefragtes Interesse besteht bei den Arbeiten zu besonderen Anlässen mit den Kindern der Region: Eine Fahne anlässlich des Erntedankfestes wurde entworfen, gemalt und flattert bei vielen Festlichkeiten als frohe Botschaft der Kinder im Wind.
2005 stellte Anna Marianne Sidenstein-Berwig im festlichen Rahmen ihren Bildband „WORT-ART, TEXT und KUNST, RETROSPEKTIVE, vor. Auf fast 180 Seiten nimmt die Künstlerin den Betrachter mit zu den Stationen ihres vielseitigen Künstlerdaseins. Der Gedichtband „DES MENSCHEN ENGEL IST DIE ZEIT“ und graphische Illustrationen zu den Gebeten im SONNENGESANG VON FRANZ VON ASSISI entstanden in Ellinghausen.
Ausstellungen und Lesungen in der Region wie im Gemeindehaus Walsrode oder die Zusammenarbeit mit der Düshorner Dorfgemeinschaft fanden großen Anklang.
2007 feierte das Ehepaar Sidenstein-Berwig mit vielen Gästen das 30-jährige Bestehen der galerie jottwedee und hat in der Region Walsrode mit Zurückhaltung, aber großer Zielstrebigkeit, den Weg zu den Menschen gefunden und sie begeistert.